Jahresbericht 2025: Bewährungshilfe wirkt – begleiten, verändern, verhindern
Die Bewährungshilfe Liechtenstein blickt auf ein vielfältiges und arbeitsintensives Jahr 2025 zurück. Im Mittelpunkt standen die Begleitung straffällig gewordener Menschen, die Vermeidung von Rückfällen, die soziale Reintegration sowie die Weiterentwicklung von Angeboten in den Bereichen Gewaltberatung, Diversion und Strafvollzug.
Bewährungshilfe: Verantwortung übernehmen, Perspektiven schaffen
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 69 Personen betreut, darunter 56 Männer und 13 Frauen. Die Bewährungshilfe begleitet Menschen nicht nur nach einer Verurteilung, sondern arbeitet gezielt daran, Ursachen delinquenten Verhaltens zu verstehen und gemeinsam konkrete Veränderungen zu erreichen.
Dabei steht neben der Rückfallvermeidung zunehmend auch die Frage im Mittelpunkt, welche Bedingungen einen nachhaltigen Ausstieg aus delinquenten Verhaltensmustern ermöglichen. Erkenntnisse aus der Desistance-Forschung fliessen deshalb zunehmend in die praktische Arbeit ein.
Gewaltberatung: frühzeitig ansetzen statt erst reagieren
Ein wichtiger Schwerpunkt bleibt die Gewaltberatung gewaltig.li. Das seit 2018 erprobte Angebot wurde 2023 in den Regelbetrieb übernommen und richtet sich sowohl an behördlich zugewiesene Personen als auch an Selbstmelderinnen und Selbstmelder.
2025 nahmen 22 Männer und eine Frau eine Gewaltberatung in Anspruch. Insgesamt wurden 252 Beratungsstunden geleistet, davon 201 direkte Beratungsstunden. Neben Gewalt im häuslichen Bereich wurden auch Gewalt gegen nahestehende Personen sowie Gewalthandlungen und Drohungen im öffentlichen Raum bearbeitet.
Die zunehmende Bedeutung der Gewaltprävention zeigt sich auch im Austausch im Rahmen der Istanbul-Konvention. Die Bewährungshilfe bringt sich dabei insbesondere mit ihrer Erfahrung in der opferorientierten Täterarbeit und der Arbeit mit gewaltausübenden Personen ein.
Diversion: Konflikte klären und Verfahren vermeiden
Auch im aussergerichtlichen Tatausgleich konnte 2025 ein wichtiger Beitrag zur Konfliktregelung geleistet werden. Insgesamt wurden 43 Personen betreut. In mehreren Fällen konnten Ausgleiche und Verfahrenseinstellungen erreicht werden. Dadurch konnten 18 Gerichtsverhandlungen vermieden werden.
Im Bereich der gemeinnützigen Arbeit wurden für 12 Personen insgesamt 532 Stunden vermittelt. Zehn Verfahren konnten eingestellt werden, wodurch weitere 10 Gerichtsverhandlungen vermieden werden konnten.
Strafvollzug: Reintegration beginnt nicht erst nach der Haft
Im Landesgefängnis wurden 2025 insgesamt 22 Insassen betreut. Die Bewährungshilfe unterstützt zudem den Sozialen Dienst der Strafanstalt Saxerriet bei der Betreuung liechtensteinischer Insassen. Gerade im Entlassungsvollzug ist die Vorbereitung auf die Rückkehr in das soziale Umfeld ein wichtiger Bestandteil der Rückfallprävention.
Fachliche Qualität und Weiterentwicklung
Die Qualität der Arbeit bleibt ein zentraler Anspruch der Geschäftsstelle. Regelmässige Fallbesprechungen, kollegiale Beratung, Supervision und Weiterbildungen unterstützen die Mitarbeitenden in ihrer anspruchsvollen Arbeit. Zwei Mitarbeitende absolvierten die Weiterbildung «Sozialarbeit in Zwangskontexten»; zusätzlich fanden vier Teamsupervisionen statt.
Ein besonderer Entwicklungsschritt war die Einführung des neuen digitalen Dokumentationssystems. Damit konnten 2025 erstmals umfassende Auswertungsmöglichkeiten genutzt und die elektronische Fallführung weiterentwickelt werden.
Vernetzt denken – über Grenzen hinweg
Die Bewährungshilfe Liechtenstein pflegt den fachlichen Austausch mit Partnerorganisationen in Österreich und der Schweiz sowie auf europäischer Ebene. Fachveranstaltungen zu geschlechtsspezifischer Gewalt und digitalen Delikten zeigten neue Entwicklungen auf und gaben wichtige Impulse für die eigene Praxis.
Dabei wurde deutlich: Kriminalität verändert sich, und damit verändern sich auch die Anforderungen an die Bewährungshilfe. Ob digitale Delikte, häusliche Gewalt oder neue Formen der sozialen Ausgrenzung – wirksame Antworten entstehen dort, wo Justiz, Polizei, soziale Dienste und weitere Fachstellen zusammenarbeiten.
Gemeinsam für mehr Sicherheit
Die Bewährungshilfe versteht sich als verbindendes Element zwischen Justiz, betroffenen Menschen und Gesellschaft. Ziel ist es, Verantwortung zu fördern, Rückfälle zu verhindern und Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben dauerhaft ohne weitere Straftaten zu gestalten.
Der Jahresbericht 2025 zeigt: Bewährungshilfe bedeutet nicht nur Kontrolle nach einer Straftat. Sie bedeutet auch Prävention, Beziehung, Veränderung und die konkrete Arbeit an einem Leben ohne weitere Delinquenz.
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