Breaking Barriers: Benedict Kindle über Verantwortung und Neuanfang

Benedict Kindle spricht in seinem TEDx-Beitrag offen über den Bruch mit seinem früheren Leben, eine wachsende Kokainabhängigkeit, die Haft und die Entscheidungen, mit denen er einen neuen Weg eingeschlagen hat.
Die Bewährungshilfe Liechtenstein hat Benedict Kindle über mehrere Jahre auf seinem Weg begleitet und unterstützt. Nun erzählt er seine Geschichte selbst: In seinem TEDxSchaan-Vortrag «Breaking Barriers: A Journey through Cult and Prison» berichtet er von Erfahrungen, die ihn geprägt haben, von den Folgen seiner Entscheidungen und von den Momenten, die eine Veränderung möglich machten.
Benedict hat sich bewusst dafür entschieden, seinen Weg öffentlich zu machen. Sein Beitrag richtet sich besonders an Menschen, die sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden. Er will zeigen, wie schnell Betäubung und Verdrängung in Abhängigkeit und Straffälligkeit führen können – und dass ein Neuanfang trotzdem möglich bleibt.
Der Bruch mit dem bisherigen Leben
In seinem Vortrag schildert Benedict, dass er in einer streng reglementierten religiösen Gemeinschaft aufwuchs. Viele Bereiche seines Alltags und seiner Kontakte seien vorgegeben gewesen. Schon als Jugendlicher habe er gewusst, dass er die Gemeinschaft nach Abschluss seiner Ausbildung verlassen wollte.
Der tatsächliche Bruch kam früher und abrupter als geplant. Nach seinem Ausschluss musste er das Elternhaus verlassen; der Kontakt zu seiner Familie brach zunächst weitgehend ab. Die neu gewonnene Freiheit fühlte sich nach seinen Worten anfangs befreiend an. Gleichzeitig wog der Verlust der wichtigsten Bezugspersonen schwer. Nach aussen versuchte er, selbstständig weiterzumachen. Innerlich fehlten ihm Halt und ein Umgang mit der Trennung.
Als Betäubung zur Abhängigkeit wurde
Mit 21 Jahren konsumierte Benedict nach eigener Darstellung erstmals Kokain. Die Droge dämpfte kurzfristig den Schmerz, den er mit dem Verlust seiner Familie verband. Aus gelegentlichem Konsum wurde eine immer stärkere Gewohnheit. Als das Geld nicht mehr reichte, nahm er Schulden auf und begann später selbst mit Drogen zu handeln.
Benedict beschreibt diesen Abschnitt ohne Beschönigung. Die Abhängigkeit nahm immer mehr Raum ein, während er das Problem vor seiner Familie verbarg. Obwohl seine Eltern die Gemeinschaft später ebenfalls verliessen und wieder Kontakt möglich wurde, fürchtete er eine erneute Zurückweisung. So blieb die Sucht lange im Verborgenen.
Die Haft als Wendepunkt
Nach seiner Festnahme verbrachte Benedict zunächst längere Zeit allein in Untersuchungshaft. In dieser Situation begann er, seine Entscheidungen und deren Folgen anders zu betrachten. Ein wichtiger Moment war ein Briefwechsel mit seinen Eltern. Ihre Antwort vermittelte ihm Vergebung, machte aber ebenso deutlich, dass verlorenes Vertrauen neu aufgebaut werden musste.
Die Haft, die Reaktion seiner Familie und die Aussicht auf eine mehrjährige Freiheitsstrafe wurden zu Wendepunkten. Benedict begann regelmässig Sport zu treiben, verlor deutlich an Gewicht und erlebte die Besuche seiner Familie als neue Verbindung. Gleichzeitig setzte er sich damit auseinander, was sein Drogenkonsum und der Verkauf von Drogen für andere Menschen bedeuteten.
Veränderung braucht konkrete Arbeit
Ein Neuanfang entstand nicht durch einen einzelnen Entschluss. Während der Haft arbeitete Benedict in einem Programm zur Rückfallprävention daran, persönliche Risiken, alte Denkmuster und belastende Erfahrungen besser zu verstehen. Bewegung wurde für ihn zu einer gesunden Strategie, um Druck und schwierige Gefühle zu bewältigen. Auch die Ordnung seiner Schulden und die Vorbereitung auf das Leben nach der Entlassung gehörten zu diesem Prozess.
Nach der Haft setzte sich die Arbeit im Alltag fort. Die Bewährungshilfe begleitete Benedict über Jahre und unterstützte ihn dabei, die begonnenen Veränderungen zu festigen. Professionelle Hilfe, die Unterstützung seiner Familie und eigener Einsatz wirkten dabei zusammen. Seine Geschichte zeigt: Verantwortung kann niemand abnehmen – aber Veränderung muss auch nicht allein bewältigt werden.
Seine Geschichte soll andere erreichen
Benedict wollte seine Erfahrungen öffentlich teilen, damit besonders junge Menschen aus seinem Weg lernen können. Der Vortrag erzählt deshalb nicht nur von Sucht und Gefängnis. Er handelt auch von Ehrlichkeit, von neu aufgebautem Vertrauen und von der Entscheidung, die eigene Zukunft nicht länger durch frühere Fehler bestimmen zu lassen.
Die Bewährungshilfe Liechtenstein veröffentlicht das Video auf Benedicts ausdrücklichen Wunsch. Wir danken ihm für das Vertrauen und den Mut, so persönlich über seinen Lebensweg zu sprechen.