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Gewaltberatung startet: Täterarbeit schützt Opfer

09. Juni 2018

2018 bereitete die Bewährungshilfe Liechtenstein ein eigenständiges Beratungsangebot für Menschen vor, die Gewalt ausüben oder einen Kontrollverlust befürchten.

Gewalt zu stoppen bedeutet nicht nur, Betroffene unmittelbar zu schützen. Ebenso wichtig ist es, mit den Menschen zu arbeiten, von denen die Gewalt ausgeht. Aus dieser Überzeugung gab die Bewährungshilfe Liechtenstein 2018 den Startschuss für ein eigenständiges Angebot zur Gewaltberatung.

Das Angebot richtete sich an Jugendliche, Frauen und Männer, die in Beziehungen, im familiären Umfeld oder im öffentlichen Raum gewalttätig geworden waren – ebenso an Menschen, die einen Kontrollverlust befürchteten und rechtzeitig handeln wollten. Bis dahin mussten Personen aus Liechtenstein teilweise an Beratungsstellen im Ausland verwiesen werden.

Gewalt verstehen, ohne sie zu entschuldigen

Gewalt ist kein unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal. Sie entsteht häufig in wiederkehrenden Situationen und wird durch bestimmte Gedanken, Gefühle oder Belastungen begünstigt. In der Beratung werden solche Auslöser und Muster sichtbar gemacht. Dabei bleibt die Verantwortung klar: Belastungen können Verhalten erklären, rechtfertigen aber keine Gewalttat.

Ein intensiver Beratungsprozess bezieht die ganze Person ein. Gemeinsam werden Warnsignale erkannt, Möglichkeiten zur Deeskalation entwickelt und klare Grenzen eingeübt. Dazu gehört auch, Verantwortung nicht an Alkohol, Stress, die Partnerin oder den Partner abzugeben. Entscheidend ist die Bereitschaft, das eigene Verhalten ehrlich anzusehen und neue Reaktionen praktisch zu erproben.

Früh ansetzen und weitere Taten verhindern

Zum Konzept gehörte die Zusammenarbeit mit Gericht, Staatsanwaltschaft, Landespolizei und Amt für Soziale Dienste. Menschen konnten aufgrund einer Weisung in die Beratung kommen; vorgesehen war zugleich ein freiwilliger Zugang für Selbstmelderinnen und Selbstmelder. Gerade dieser frühe Zugang ist wichtig, weil Veränderung möglichst beginnen sollte, bevor eine Situation erneut eskaliert.

Erfahrungen aus der benachbarten Gewaltberatung in Vorarlberg zeigten, dass ein grosser Teil der Ratsuchenden freiwillig Hilfe sucht. Das widerlegt die Vorstellung, gewaltausübende Menschen seien grundsätzlich nicht zur Veränderung bereit. Häufig braucht es jedoch ein klar erkennbares und erreichbares Angebot, damit aus einem ersten Problembewusstsein ein verbindlicher Veränderungsprozess werden kann.

Täterarbeit stärkt den Opferschutz

Ein zentraler Schritt ist der Perspektivwechsel. Wer versteht, welche Angst, Verletzungen und langfristigen Folgen eine Gewalttat beim Gegenüber auslöst, baut Hemmschwellen gegen erneute Gewalt auf. Eine Entschuldigung oder Wiedergutmachung kann bedeutsam sein, ersetzt aber weder den Schutz der Betroffenen noch klare rechtliche Grenzen.

Mit der neuen Beratungsstelle ergänzte die Bewährungshilfe ihre bisherigen Aufgaben um ein präventives Angebot. Das Ziel war eindeutig: Gewalt beenden, neue Straftaten verhindern und mögliche Opfer schützen. Täterarbeit und Opferschutz sind deshalb keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Verantwortung.


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Schaffung einer Gewaltberatung

Bewährungshilfe startet mit Gewaltberatung