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Fotoprojekt «Grauzonen» für Swiss Photo Award nominiert

27. April 2014

Barbara Bühlers fotografische Auseinandersetzung mit Gefängnisräumen schaffte es auf die Shortlist des Swiss Photo Award in der Kategorie Architektur.

Aus einem Kunstprojekt zum 10-jährigen Bestehen der Bewährungshilfe Liechtenstein entstand eine aussergewöhnliche fotografische Serie. Die Liechtensteiner Fotografin Barbara Bühler richtete ihren Blick auf Innenräume und den Hof des Gefängnisses. Nicht Menschen, sondern Mauern, Übergänge, Licht und räumliche Begrenzungen stehen im Mittelpunkt.

Die Aufnahmen überzeugten die internationale Jury des Swiss Photo Award. Unter 541 Einreichungen schaffte es Bühler mit ihrer Serie in der Kategorie Architektur unter die besten zehn. Für die Fotografin war die Platzierung eine überraschende und zugleich wichtige Bestätigung ihrer Arbeit zwischen Kunst- und Architekturfotografie.

Langsame Annäherung statt schneller Reportage

Für das Projekt arbeitete Bühler mit analogen Grossformatkameras. Diese Technik verlangt eine sorgfältige Vorbereitung und lässt keinen schnellen Schnappschuss zu. Gerade diese Langsamkeit passte zum Thema. Die Fotografin untersuchte, wie ein Raum genutzt wird, wie Menschen auf ihn reagieren und welche Wirkung Architektur entfaltet, wenn Freiheit und Bewegung begrenzt sind.

Die Bilder wirken auf den ersten Blick sachlich und reduziert. Bei längerer Betrachtung öffnen sie jedoch eine zweite Ebene: Linien, Flächen und Licht verwandeln funktionale Gefängnisräume in beinahe abstrakte Kompositionen. Bühler beschrieb ihre Arbeiten als Verbindung von Architektur und Kunst – eine Bewegung von der konkreten räumlichen Situation hin zur Abstraktion und wieder zurück.

Bild: Barbara Bühler

Ein verborgenes Thema wird sichtbar

Gefängnisse gehören zu jenen Orten, die der Öffentlichkeit weitgehend verschlossen bleiben. Das Projekt «Grauzonen» machte diesen Lebensbereich sichtbar, ohne die abgebildeten Räume sensationsorientiert zu inszenieren. Stattdessen lud die Serie dazu ein, über Begrenzung, Kontrolle, Alltag und die Bedeutung gebauter Umgebung nachzudenken.

Die Verbindung zur Bewährungshilfe ist dabei zentral. Strafvollzug endet nicht an der Zellentür, sondern ist Teil eines längeren Weges, der im besten Fall zur Wiedereingliederung führt. Räume können Sicherheit schaffen und Abläufe strukturieren; sie können zugleich Distanz, Abhängigkeit und Ausschluss spürbar machen.

Anerkennung durch den Swiss Photo Award

Acht Arbeiten der Serie wurden gemeinsam mit den Beiträgen der weiteren Nominierten in der Photobastei Zürich gezeigt. Das temporäre Fotografiezentrum nahe dem Paradeplatz bot Raum für zahlreiche Ausstellungen und brachte ein breites Publikum mit zeitgenössischer Schweizer Fotografie in Kontakt.

Mit der Nominierung erhielt nicht nur Barbara Bühlers Arbeit überregionale Aufmerksamkeit. Sichtbar wurde auch ein Jubiläumsprojekt, das Bewährungshilfe, Strafvollzug, Architektur und Kunst auf ungewöhnliche Weise zusammenführte. «Grauzonen» zeigt, wie kulturelle Perspektiven einen neuen Zugang zu gesellschaftlichen Themen eröffnen können, die sonst häufig im Verborgenen bleiben.


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