Vom Teufelskreis zur Ausbildung: Ein erfolgreicher Neustart

Der anonymisierte Fall von «Sandro» zeigt, wie Beharrlichkeit, Vertrauen und klare Ziele einen jungen Menschen dabei unterstützen können, sein Leben grundlegend zu verändern.
Mit 19 Jahren bestimmten Cannabis, Einbrüche und eine abgebrochene Lehre den Alltag von «Sandro»*. Er verbrachte viel Zeit mit seiner Clique, plante Straftaten und finanzierte sich teilweise mit dem Geld aus Einbrüchen. Termine bei Polizei und Gericht waren beinahe zur Gewohnheit geworden. Eine weitere Verurteilung hätte ihn endgültig ins Gefängnis bringen können.
Drei Jahre später sah sein Leben anders aus: Sandro hatte eine Lehre abgeschlossen, arbeitete als Handwerker und füllte seine Freizeit mit neuen Hobbys. Den Kontakt zu seinem früheren Umfeld hatte er beendet. Dieser Wandel geschah jedoch weder plötzlich noch freiwillig. Am Anfang stand eine gerichtlich angeordnete Bewährungshilfe – und eine Zusammenarbeit, die zunächst kaum funktionierte.
Vertrauen musste erst entstehen
Sandro erschien anfangs nicht zu vereinbarten Gesprächen und lehnte die Unterstützung ab. Seine Bewährungshelferin Tamara Clare-Stupp blieb dennoch verbindlich, setzte Grenzen und versuchte immer wieder, einen Zugang zu ihm zu finden. Erst als eine belastbare Beziehung entstanden war, konnte die eigentliche Arbeit beginnen.
Die ersten Gespräche drehten sich nicht nur um Straftaten. Es ging darum, wie Sandro sich selbst sah, was er fühlte und welche Zukunft er sich überhaupt vorstellen konnte. Schrittweise erkannte er eigene Stärken. Die Gespräche gaben ihm nach eigener Aussage Energie und halfen ihm, aus dem Gefühl herauszukommen, nichts erreichen zu können.
Die Lehre wurde zum Wendepunkt
Der Abschluss seiner Ausbildung war ein entscheidendes Etappenziel. Er bewies Sandro, dass er eine langfristige Aufgabe durchhalten und aus eigener Kraft erfolgreich abschliessen konnte. Mit der Arbeit kamen Struktur, Anerkennung und neue Pläne. Als nächstes Ziel nahm er die Fahrprüfung in Angriff.
Gleichzeitig brach er den Kontakt zu seiner alten Clique ab und mied frühere Treffpunkte. Erst mit diesem Abstand wurde ihm das Ausmass seiner Taten bewusst. Im historischen Interview sprach er offen über seine Reue und darüber, wie knapp er einer längeren Haft entgangen war. Auch Cannabis gehörte nach seinen Angaben nicht mehr zu seinem neuen Alltag.
Türen öffnen – gehen muss jeder selbst
Bewährungshilfe konnte Sandro nicht verändern, aber sie konnte einen Rahmen schaffen, in dem Veränderung möglich wurde. Dazu gehörten Beharrlichkeit, ehrliche Rückmeldungen und das Festhalten an Vereinbarungen. Die Verantwortung für Ausbildung, Kontakte und den Umgang mit den Folgen seiner Taten blieb bei ihm.
Sandro erzählte seine Geschichte, weil er andere junge Menschen zum Nachdenken anregen wollte. Sein Beispiel zeigt, dass ein belasteter Lebenslauf nicht das letzte Wort haben muss. Professionelle Begleitung kann den entscheidenden Unterschied machen, wenn jemand bereit wird, eine geöffnete Tür tatsächlich zu nutzen.
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