Ehrenamtliche bringen wertvolle Lebenserfahrung ein

Seit 2011 ergänzten ehrenamtliche Bewährungshelferinnen und -helfer die professionelle Arbeit in Liechtenstein – mit Zeit, Alltagserfahrung und einem verlässlichen Gegenüber.
Straffällig gewordene Menschen erleben häufig Distanz und Ausgrenzung. Arbeit, Wohnung und soziale Beziehungen können nach einer Verurteilung zusätzlich unter Druck geraten. Ein stabiler Kontakt zu einer Person aus der Mitte der Gesellschaft kann deshalb besonders wertvoll sein. Vor diesem Hintergrund begann die Bewährungshilfe Liechtenstein, ehrenamtliche Begleitpersonen auszubilden und in die Betreuung einzubeziehen.
Anfang 2011 nahmen die ersten drei Ehrenamtlichen ihre Tätigkeit auf. Sie ergänzten die Arbeit der Fachpersonen und brachten unterschiedliche berufliche und persönliche Erfahrungen mit. Aus Sicht der Bewährungshilfe sollte das Team langfristig wachsen, weil verlässliche Alltagskontakte eine wichtige Brücke zwischen betreuten Menschen und Gesellschaft bilden können.
Motivation aus Erfahrung und Verantwortung
Die Beweggründe der Ehrenamtlichen waren verschieden. Eine Teilnehmerin hatte selbst eine persönliche Krise erlebt und dabei Unterstützung von aussen erhalten. Aus Dankbarkeit wollte sie diese Erfahrung weitergeben. Ein anderer Teilnehmer interessierte sich als Lehrer für die Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen und suchte eine verantwortungsvolle gesellschaftliche Aufgabe.
Bezahlt wurde das Engagement nicht im üblichen Sinn; vorgesehen war lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung. Der eigentliche Lohn lag für die Beteiligten in den Fortschritten ihrer Klientinnen und Klienten. Gerade diese persönliche Motivation ist wertvoll – sie braucht jedoch einen professionellen Rahmen.
Ausbildung, Austausch und klare Grenzen
Vor ihrem Einsatz erhielten die Ehrenamtlichen Schulungen zu rechtlichen Grundlagen, Gesprächsführung, fachlichen Standards und Berichtspflichten. Gemeinsame Seminare mit Teilnehmenden aus Vorarlberg und Baden-Württemberg ermöglichten zusätzlichen Erfahrungsaustausch. Regelmässige Teamsitzungen und die Erreichbarkeit einer Fachperson boten Unterstützung bei schwierigen Situationen.
Eine zentrale Lernaufgabe war die Abgrenzung. Ehrenamtliche sollen zugewandt und verlässlich sein, dürfen die Probleme der betreuten Person aber nicht zu ihren eigenen machen. Zu grosse Distanz verhindert Vertrauen; zu grosse Nähe kann den Blick auf Verantwortung und notwendige Grenzen verstellen.
Eine verlässliche Person an der Seite
Ehrenamtliche ersetzen keine professionelle Bewährungshilfe. Sie können aber etwas anbieten, das im Alltag besonders wirksam ist: Zeit, Kontinuität und Lebenserfahrung. Für betreute Menschen wird spürbar, dass sich jemand nicht nur aufgrund eines beruflichen Auftrags, sondern aus persönlichem Engagement für ihren Weg interessiert.
Die ersten Erfahrungen wurden im damaligen Bericht positiv bewertet. Kleine Schritte – ein eingehaltenes Treffen, eine geklärte Alltagsfrage oder ein neu gefasster Plan – können langfristig zu einem stabileren und straffreien Leben beitragen. Damit stärkt ehrenamtliche Bewährungshilfe nicht nur einzelne Menschen, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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